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Aktuelle Zahlen zum deutschen Spendenmarkt

Die wichtigste Finanzierungsquelle für den deutschen sozialen Sektor ist nach wie vor der Staat. Deutlich mehr als die Hälfte der Einnahmen von zivilgesellschaftlichen Organisationen stammt aus öffentlichen Kassen, nur weniger als fünf Prozent sind Spenden. Doch diese fünf Prozent sind überlebenswichtig für einige große, aber vor allem auch für viele Tausend kleine Non-
Profit-Organisationen, die keinen oder nur sehr begrenzten Zugang zu öffentlichen Mitteln haben.

Wie groß ist der Spendenkuchen in Deutschland?

Da es hierzulande keine offizielle Spendenstatistik gibt, wird das Spendenvolumen indirekt durch Umfragen oder über die Steuerstatistik ermittelt. Die Ergebnisse variieren deswegen stark und reichen derzeit von knapp drei Milliarden bis hin zu sieben Mrd. Euro. Vertraut man den Zahlen des Statistischen Bundesamtes für die Höhe geltend gemachter Spenden, so lag das Spendenvolumen für nicht politische gemeinnützige Organisationen gemäß den aktuellsten verfügbaren Daten im Jahr 2008 bei gut 5,1 Mrd. Euro. Die jährliche Zunahme der Spenden betrug seit 2001 durchschnittlich 5,5 Prozent und verlief recht kontinuierlich und konjunkturneutral. Schreibt man diese Entwicklung bis 2012 fort, ergäbe sich aktuell eine Spendensumme von 6,4 Mrd. Euro. Hinzu kommen noch die nicht geltend gemachten Spenden wie Barspenden, Spenden von Personen ohne Einkommensteuerpflicht oder Spenden an nicht als gemeinnützig anerkannte Organisationen. Damit könnte der gesamte Spendenmarkt derzeit tatsächlich gut sieben Mrd. Euro umfassen.

Wer spendet wie viel und wie oft?

Nur noch etwa 35 Prozent der Deutschen spenden mindestens einmal pro Jahr; die Anzahl der Spender ist seit einigen Jahren rückläufig. Ältere spenden häufiger als Jüngere, Frauen etwas öfter als Männer und die Spendenbeteiligung steigt ganz klar mit dem Einkommen. Der Anteil der Spenden am verfügbaren Einkommen ist allerdings mit jeweils etwa zwei Prozent in der höchsten und niedrigsten Einkommensklasse am größten, während der Mittelstand hier vergleichsweise wenig beiträgt (nur 0,7 Prozent). Durchschnittlich werden knapp 130 Euro pro Kopf gespendet. Die Mehrzahl der Personen unterstützt dabei mehr als eine Organisation, 26 Prozent sogar mehr als vier. Allerdings spendet nahezu jeder Zweite im Folgejahr nicht mehr für die gleichen Organisationen. Die Fluktuation ist vor allem bei den jüngeren Spendern sehr hoch.

Wohin fließen die Spenden?

Thematisch steht die humanitäre Hilfe bei den Spendern mit über 70 Prozent ganz weit vorne. Vor allem in Katastrophenfällen lassen sich sehr viele Spender mobilisieren. Offensichtlich sind es aber nicht unbedingt die großen Organisationen, die vom Wachstum des Spendenvolumens profitieren. Ein Blick auf die großen 30 Non-Profit-Organisationen des DZI- Index zeigt, dass deren Spendeneinnahmen (ohne katastrophenbedingte Sondereffekte) in den letzten Jahren stagnierten. Vermehrt wurden Spenden für Stiftungsgründungen gegeben. Der Betrag hat sich seit 2001 mehr als vervierfacht. Allerdings trägt er mit einem Volumen von rund 370 Millionen nur etwa sieben Prozent zum Spendenmarkt bei. Die Zunahme der geltend gemachten Spenden scheint daher vor allem zugunsten mittelgroßer und kleiner zivilgesellschaftlicher Organisationen zu gehen, von denen es in Deutschland mehrere Hunderttausend gibt. Offensichtlich gelingt es auch kleineren Organisationen immer besser, mit potenziellen Spendern zu kommunizieren. Die Vermutung liegt nahe, dass Social Media dabei eine immer größere Rolle spielt.

Eine ausführliche Analayse des deutschen Spendenmarktes vom betterplace lab gibt es hier.

Weiterlesen: Mobiles Spenden – kleine Geräte, großes Potenzial.

Angela Ullrich ist promovierte Volkswirtin und für die Deutsche Zentral- Genossenschaftsbank in Frankfurt und London als Analystin tätig. Derzeit ist sie freiberufliche Dozentin und Beraterin in Berlin. Für das betterplace lab analysiert sie den deutschen Spendenmarkt und unterstützt das NGO-Meter Team.