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Wer zuhört, kann leicht herausfinden, was ein Projekt wirklich bringt

Mit Geschichten Wirkung messen

Wirkung messen ist für viele soziale Projekte unumgänglich geworden. Dabei unterscheidet man zwischen quantitativen und qualitativen Methoden. Während quantitative Methoden auf messbaren Daten wie z. B. Teilnehmerzahlen, Schulnoten, eingespartem CO2 usw. basieren, konzentriert sich qualitative Wirkungsmessung auf wahrgenommene und beschriebene Wirkungszusammenhänge, die in Interviews oder Fragebögen erhoben werden können. Hier tut sich in letzter Zeit einiges: Vor allem die Arbeit mit Geschichten, das Storytelling, wird weiterentwickelt, um Wirkungszusammenhänge zu erforschen. Wie aber kann das funktionieren?

Storytelling basiert auf dem Erzählen und Einfangen von Geschichten. Eine Geschichte kann dabei fast alles sein, was aus Sicht und in der Sprache der Beteiligten geschildert ist: eine Gründungsanekdote, wichtige Ereignisse oder persönliche Erfahrungen mit der Wirkweise eines sozialen Programms. Die Stärken des Ansatzes liegen auf der Hand: Das implizite, verborgene Wissen der Beteiligten wird ausgesprochen und liefert wertvolle Hinweise für die Evaluation und Wirkungsmessung von sozialen Projekten. Ein offenes Frageformat ermöglicht assoziative Antworten, die dann nach auftretenden Mustern ausgewertet werden. In einen Storytelling-Prozess können alle mit eingebunden werden, die eine Geschichte erzählen können (wer kann das nicht?).

Gesammelt werden die Geschichten in ganz unterschiedlicher Form. Soziale Medien bieten dazu geeignete und kostengünstige Verfahren, große Mengen von kleinen Geschichten und Anekdoten einzufangen. Die große Herausforderung beim Storytelling ist die Übersetzung der anekdotischen Erfahrungsberichte Einzelner in evaluatorisch verwertbare Erkenntnisse. Hier gibt es viel methodischen Entwicklungsbedarf und noch kein Patentrezept. Die Bandbreite der Methoden reicht von Auswertungsworkshops mit den Begünstigten bis hin zu softwaregestützen Lösungen, die nach Mustern und Gemeinsamkeiten in den Geschichten suchen. Ein Beispiel dafür ist die Anwendung SenseMaker der Firma Cognitive Edge. Auf Basis von Daten und Einschätzungen, die zusammen mit der Geschichte erhoben werden, können Geschichten in Zusammenhang gesetzt und Ergebnisse aggregiert werden.

Aus der internationalen Praxis gibt es die ersten Fallbeispiele: Global Giving nutzt seit 2009 Geschichten und Anekdoten von Begünstigten in den von ihnen geförderten Projekten zur Evaluation und Koordination in Kenia. Anwohner in Hunderten von Dörfern können über geschulte „Story Collectors“ ihre Erfahrungen lokalen Hilfsorganisationen mitteilen. Global Giving erhält so direkte Rückmeldungen, welche Projekte Unterstützung benötigen – und zwar nicht von Projektplanern, sondern von den Begünstigten selbst. So können lokale Bedürfnisse in die Projektgestaltung und -umsetzung einbezogen werden. Auch in Europa nimmt das Thema im dritten Sektor an Fahrt auf: Nominet Trust, eine Stiftung aus England, fördert Internet-basierte Projekte zugunsten sozial Benachteiligter besonders in Bezug auf berufliche Bildung. Geschichten werden vor allem dazu verwendet, Veränderungen zu dokumentieren und anderen Organisationen mit ähnlichen Zielen zugänglich zu machen. Auch goodroot arbeitet derzeit in der Evaluationspraxis mit Geschichten, vor allem auf Projektebene. Das erste Storytelling-Pilotprojekt mit einer Bildungsinitiative aus Berlin soll 2013 gestartet werden. Ziel ist es, die Methode auch für kleinere Projekte mit beschränkten Kapazitäten und Ressourcen nutzbar zu machen.

Geschichten spielen schon seit Urzeiten eine wichtige Rolle in der Beschreibung und Weitergabe von Erkenntnissen. Die Nutzung dieses Formats in einem systematischen Evaluationsprozess ist trotz hoher Komplexität, dank moderner Technologie und Kommunikation, eine vielversprechende Innovation in der Wirkungsmessung.

 

Weitere Infos zu den Praxisbeispielen:

Projektbeschreibung des Global Giving Storytelling Project:

globalgiving.org/stories

Ausführliche Praxistipps zu Storytelling:

globalgiving.org/story-tools

Blogeintrag über Storytelling beim Nominet Trust:

tinyurl.com/d3sr9l2

Theoretische Grundlagen:

workingwithstories.org

Praktikernetzwerk und methodische Denkschmiede:

cognitive-edge.com

Weiterlesen: Wie Botschaften on- und offline miteinander verzahnt werden.

Susanna Krüger ist Geschäftsführerin der goodroot GmbH, einer in Berlin ansässigen Beratung, die mit Stiftungen, sozialen Unternehmen und NGOs an der Wirkungsbeschreibung ihrer Projekte arbeitet. good-root.org

Burkhard Schaffitzel arbeitet bei der goodroot GmbH als Projektmitarbeiter und beschäftigt sich zu Zeit intensiv mit dem Thema Storytelling. good-root.org

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