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Unterstützerbindung

Interview: Wie Unterstützer dabei bleiben

Seit 2006 unterstützt das offene Netzwerk Viva con Agua weltweit Wasserprojekte der Welthungerhilfe und sammelt auf kreative Weise Spenden. Erfolgreich ist die Initiative besonders bei Jüngeren. Pressesprecher Christian Wiebe begibt sich auf eine Spurensuche nach erfolgreicher Unterstützer-Bindung.

Was ist für euch der wichtigste Anker, um neue Unterstützer ins Boot zu holen?

Christian Wiebe: VcA ist originär dort stark, wo es um einen barrierefreien Zugang speziell für jüngere Menschen geht. Für die bieten wir auf unserer Plattform für soziales Eigen-Engagement Rahmen, also Infrastruktur, Kontakte etc. an. Und dann entwickeln wir gemeinsam Ideen, um in einer großen Gemeinschaftsproduktion zu sagen: Alles ist erlaubt. Das muss natürlich ein Ziel verfolgen, z. B. Spenden sammeln oder Aufklärungs- und Bildungsarbeit leisten. Aber der Weg dahin kann sehr frei gestaltet sein: Becher sammeln auf Festivals, eigene Konzerte organisieren, Wassermärsche mobilisieren usw.

Aber sind eigene Projekte und selbst­-ständiges Engagement tatsächlich die Initialzündung für eine Beziehung zu VcA? Das erscheint nicht gerade niedrigschwellig …

Wiebe: Klar, über irgendwelche Wege muss der potenzielle Unterstützer natürlich zunächst darauf gestoßen sein, dass es diese Möglichkeit gibt. Dafür machen wir viel klassische PR und nutzen Social-Media-Kanäle. Und wir sind häufig präsent auf Festivals und anderen großen Veranstaltungen. Da bekommt jeder schnell mit, wie einfach und spaßig es ist, sich bei VcA zu engagieren. Dass das Rüstzeug geliefert wird und jeder sich individuell ausleben kann.

Und wie organisiert man ein Netzwerk, das auf so viel Eigenengagement baut?

Wiebe: Wir lassen unser Netzwerk so dezentral und so autonom agieren, wie es eben geht. Das spiegelt sich auch in unserer Organisationsform:
Es gibt zehn offizielle VcA-Zellen und 15 weitestgehend autonome “Local Crews”. Wir briefen diese Unterstützer bei Netzwerkkongressen und Workshops, und dann lassen wir sie machen. Es ist immer faszinierend, was diese Schwarmintelligenz an tollen Ergebnissen zustande bringt.

VcA gibt es seit acht Jahren. Wie erreicht ihr eure langfristigen Unterstützer so, dass ihr eine individuelle Beziehung erhalten könnt?

Wiebe: In den ersten Jahren von VcA waren wir ein sehr grassroots-mäßiger, chaotischer Haufen. Doch wir brauchten irgendwann: Struktur. Heute gibt es zweimal im Jahr Netzwerkkongresse, wo Zellen, Local Crews und Einzelkämpfer zusammenkommen. Darüber hinaus haben wir im letzten Jahr eine interne Plattform entwickelt: pool.vivaconagua.org ist eine Datenbank, über die man einzelne Supporter, Local Crews und Zellen miteinander vernetzen kann und wo sich zentral gesteuerte Prozesse anstoßen lassen. Es ist ein ganz wichtiges Tool zur Steuerung und zur internen Kommunikation. Dann kommt natürlich viel persönliche Kontaktpflege von jedem einzelnen Hauptamtlichen dazu.

Und wie haltet ihr mich als Unterstützerin, wenn die Begeisterung nachlässt?

Wiebe: Mit genau dieser Frage beschäftigen wir uns seit Kurzem intensiver. Die Modelle müssen wir noch entwickeln, aber auch dort werden wir sicher innovative Lösungen finden. Bis dahin kannst du im Alltag unser ökologisches Quellwasser konsumieren. Und alleine dadurch bist du schon wieder Wasserspenderin!

Im klassischen Projektmanagement spielen Phasenmodelle eine große Rolle – nutzt ihr solche Instrumente auch, um eure Unterstützer nachhaltig und strategisch zu binden?

Wiebe: In der Theorie finde ich es sinnvoll, Unterstützerphasen zu gliedern. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass ein 50-Jähriger sich nicht mehr unbedingt auf Festivals im Schlamm suhlen will, um Pfandbecher zu sammeln. Deshalb setzen wir auf eine langfristige Supporter-Bindung. In der Kita oder in Schulen erreichen wir die ganz Jungen mit Informationsangeboten und sensibilisieren für das Wasserthema. Je älter die Kinder werden, desto mehr Möglichkeiten haben sie, sich selbst zu engagieren. So entsteht im besten Fall eine lebenslange Bindung. Aber das Spannende ist: Obwohl wir immer noch eine explizit junge Zielgruppe ansprechen, melden sich immer mehr ältere Menschen bei uns. Dann hast du auf einmal auch Menschen Ende 50 auf einem Punkkonzert oder im St.-Pauli-Stadion stehen. Und das macht auch die Magie aus, dass ein theoretisches Konstrukt wie ein Phasenplan auch mal komplett zerschossen wird von begeisterten Menschen, die einfach mitmachen wollen.

Als kleinen Ausblick: Wie sieht der typische Unterstützer von morgen aus? Will der bei Facebook den Like-Button klicken oder gleich eine ganze Gruppe leiten?

Wiebe: Ich glaube, der durchschnittliche Supporter von morgen will auf möglichst einfache Weise eigene Ideen umsetzen, möchte in Absprache mit der Organisation neue Ideen kreieren, entwickeln und dabei so autonom wie möglich sein.

Weiterlesen: Kampagnen on- und offline führen.