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Storytelling: Geschichten fürs Gute

Besonders soziale Organisationen haben viel zu erzählen. Wenn sie’s richtig machen, gewinnen sie neue Unterstützer

Seit es Sprache gibt, erzählen sich Menschen Geschichten. Sie strukturieren unsere Realität und geben der ziemlich komplexen Welt da draußen einen Sinn. Unser Gedächtnis speichert Geschichten deutlich besser als Auflistungen und Zahlen. Denn eine gute Geschichte nimmt den Zuhörer mit ins Geschehen, er macht sich selbst ein Bild, fühlt mit, zieht Schlüsse und bildet sich eine Meinung – so, als wäre er selbst dabei gewesen. Das überzeugt stärker als nur Argumente oder Urteile. Geschichten eignen sich auch gut für die Kommunikation in sozialen Medien: Dritte verbreiten sie von sich aus, wenn sie interessant und berührend sind („shareability“).

Wie finde ich meine Geschichten?

• Gute Geschichten zu finden bedeutet zunächst, offene Ohren und Augen für die Menschen in der eigenen Organisation zu haben. Ein Interview mit der Gründerin, Mitarbeitern und Unterstützern über ihre Motivationen, Erlebnisse, Enttäuschungen und Hoffnungen bringt sicher erzählenswerte Geschichten zum Vorschein.

Wie halte ich Geschichten fest?

• Für die Aufzeichnung eignen sich Notizen, Video, Fotos oder Zeichnungen.

• Mach es wie ein Journalist, Filmregisseur oder Romanautor. Auch Atmosphäre, Landschaft, Räume, Geräusche, Gerüche gehören zu einer Geschichte.

• Deine Gesprächspartner könnten auch sich selbst filmen, selbst zeichnen, selbst aufnehmen oder selbst schreiben.

Welche Elemente muss ich in meinen Storys herausarbeiten?

• Wer könnte der Held, die Heldin der Geschichte sein? Die beste Hauptfigur ist diejenige, welche die größte Entwicklung durchmacht, die aktivste Rolle hat und die schwerste Entscheidung treffen muss.

• Beschreibung: Welche Eigenschaften, Stärken und Schwächen hat meine Hauptfigur? Auch jenseits ihrer Rolle? Wie kann ich sie menschlicher, zugänglicher machen?

• Was will die Hauptfigur erreichen? Was hofft sie? Was steht für sie auf dem Spiel?

• Nicht vergessen: Jede Geschichte hat Anfang (In die Situation einführen), Mitte (Was ist die Herausforderung?) und Ende (Wie geht’s aus?).

Wie mache ich meine Geschichte spannend?

• Leerstellen setzen: Erwartungen wecken und sie nicht sofort erfüllen.

• Den Ausgang nicht vorwegnehmen, sondern so offen lassen, dass der Empfänger die Geschichte zu Ende verfolgt, um zu erfahren, wie sie ausgeht.

Weitere Stiltipps:

• Emotional und persönlich erzählen.

• Auch mit einfacher Sprache lassen sich komplexe Sachverhalte vermitteln.

• Einprägsame Metaphern, Bilder und Symbole benutzen. Dabei jenseits vom Klischee bleiben.

• Alle Sinne ansprechen – nicht nur den Logikteil des Gehirns.

• Wenn möglich, Bilder, Ton und Videos einbringen.

• Andere Genre-Elemente ausprobieren (Krimi, Liebesgeschichte, Abenteuerfilm, Comic etc.).

• Frei denken und assoziieren: Ideen miteinander verbinden, den Empfänger mit einer ungewöhnlichen Form überraschen.

• Auch mal Humor, Satire, Ironie, Wort- und Gedankenspiele verwenden. Aber bitte gut dosiert.

Weitere Schreibregeln:

slideshare.net/betterplacelab/handwerk-schreiben

 

Gute Geschichten von NGOs:

Storytelling-Profis: charity:water investiert viel Geld in Kommunikationstechnik und begeistert seine Unterstützer mit edlen Fotos, Videos und Brunnenbohrungs-Live-Streams.

charitywater.org

Orange Duffle Bag Foundation – US-amerikanische NGO, die sich um Pflegekinder kümmert. Schöne Website, tolles Video des Mitgründers Sam Bracken („Everyone has a story“):

orangeduffelbagfoundation.org

Story of Stuff – sehr gute animierte Erklärvideos zu Umweltthemen.

storyofstuff.org

Mama Hope – Video „African Men“ – dieses Beispiel zeigt, wie man Vorurteile mit wahren Geschichten und Humor verändert.

mamahope.org

Weiterlesen: Mit guten Posts, Tweets und Pins Unterstützer erreichen.

Maike Gosch ist Expertin für Storytelling und strategische Kommunikation für die Agentur wigwam und ihre eigene Beratungsfirma story4good. Nach einer Karriere als Rechtsanwältin arbeitete sie als freie Drehbuchautorin. Im Jahr 2012 wurde sie mit dem Titel „Kultur- und Kreativpilot Deutschlands“ der Bundesregierung ausgezeichnet.