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Facebook-Gruppen helfen beim Sandsäcke stapeln

Social Media im Katastropheneinsatz

Fährt die Bahn trotz der Überschwemmung? Ist der Pass nach dem Lawinenabgang wieder offen? Antworten auf solch wichtige Fragen, die sich nach Katastrophen stellen, liefern die Betroffenen heute meist selbst – über soziale Medien. In Online-Netzwerken tauschen sie sich aus und bilden so auch einen Informationspool, den Organisationen und Behörden für ihre Hilfsarbeit nutzen können. Immer häufiger werden diese Informationen auch durch Handy-Apps zur Verfügung gestellt.

Heute ist fast jedes Mobiltelefon in der Lage, Fotos und Videos ins Netz zu stellen, was den Katastrophenschützern neue und bessere Möglichkeiten gibt, sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan stieg die Zahl der Tweets dort von 3.000 auf rund 11.000 Nachrichten pro Minute; während des Hurrikans „Sandy“ wurden in den USA 1,3 Millionen Bilder auf das Photo-Netzwerk Instagram hochgeladen.

Kostbare Nadeln im digitalen Heuhaufen

Die Masse ist verblüffend. Doch was zählt, sind die Inhalte: Experten gehen davon aus, dass rund acht Prozent aller Nachrichten, die in zeitlicher Nähe zu einer Naturkatastrophe gepostet werden, Informationen enthalten, die Katastrophenschützern bei ihrer Arbeit helfen können.

Die Herausforderung ist, aus der Flut der Nachrichten diejenigen herauszufiltern, die relevant sind. Kaum jemand kann sich ein eigenes „Social Media Notfallzentrum“ leisten – wie etwa das Amerikanische Rote Kreuz. Forscher in der ganzen Welt versuchen deshalb Systeme zu entwickeln, die automatisch zwischen relevanten und irrelevanten Nachrichten unterscheiden können. Neben klassischen Social Media Monitoring Tools wie HootSuite.com können Anwendungen wie Geofeedia.com dabei helfen, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Mit Geofeedia zoomt man in einen Kartenausschnitt und bekommt Social-Media-Nachrichten aus dem entsprechenden Gebiet angezeigt.

Informationen in Echtzeit durch Vernetzung

Die „Standby Task Force“ hat sich darauf spezialisiert, in Krisensituationen nach Informationen im Netz und in sozialen Medien zu suchen. Auf den Philippinen wurde dieses System im Dezember 2012 genutzt, um nach einem Taifun einen besseren Überblick über die Situation zu bekommen. Die Ergebnisse wurden in den offiziellen Lagebericht aufgenommen. Hier spielt die zunehmende Vernetzung von Mobiltelefonie und sozialen Medien eine wichtige Rolle, da jeder in Echtzeit Informationen erhalten und bereitstellen kann, egal ob es sich um Sturmschäden, Hochwasser oder Glatteis handelt.

Soziale Medien helfen den betroffenen Menschen auch, sich selbst zu organisieren. Zwar leisten NGOs und offizielle Stellen im Notfall lebenswichtige Hilfe. Doch die Betroffenen selbst haben am meisten mit dem Klein-Klein zu kämpfen. Wo liegt der Ersatzschlüssel zur Wohnung? Gerade in Social-Media-Netzwerken wie Facebook erfahren die Menschen schnell die wichtigen Details von ihren Bekannten und Verwandten.

Beim nächsten Oder-Hochwasser ist es deshalb wahrscheinlich, dass die Betroffenen innerhalb von Stunden Facebook-Gruppen erstellen werden, um nach leer stehenden Dachböden zu suchen, auf denen sie ihr Hab und Gut lagern können, oder nach Tipps zu fragen, wie man Sandsäcke am besten stapelt. Für NGOs wird es essenziell sein, ein offenes Ohr zu haben und etwas zu diesen Diskussionen beizusteuern. Anderenfalls laufen sie Gefahr, am Bedarf und an den Menschen vorbei zu arbeiten.

Mit der Anwendung „Stormpins“ können US-Bürger ihre Nachbarn oder offizielle Stellen über Gefahren informieren. Da die App mit GPS gekoppelt ist, erhält jeder Nutzer automatisch neue Warnungen in seiner Nähe.

Links zum Weiterlesen:

iRevolution.net beschäftigt sich damit, wie Social Media und Crowdsourcing im Katastrophenfall genutzt werden können. Der Blog ist voll mit Ideen für die Zukunft.

• Wie kann man virtuelle Teams organisieren, wie verliere ich nicht den Überblick, was hat funktioniert und was nicht? Die Blogs sm4em.org und idisaster.wordpress.com geben handfeste Tipps.

• Wer selbst im Ernstfall mit anpacken möchte, ist auf blog.standbytaskforce.com gut beraten.

• Die Open-Source-Plattform crowdcrafting.org hilft dabei, viele Aufgaben an virtuelle Helfer zu verteilen.

Geofeedia.com filtert Nachrichten, Fotos und Videos direkt aus betroffenen Gebieten.

Weiterlesen: Mit digitalen Kampagnen im Internet gehört werden.

Timo Lüge berät internationale Organisationen und NGOs rund um das Thema digitale Kommunikation mit Schwerpunkt auf Social Media. Er hat Erfahrung in Krisengebieten wie Haiti und Liberia und bloggt auf sm4good.com.